Polizei klagt gegen Lärm

Veröffentlicht am 17. Mai 2014 Bei Feiern im Saal des Restaurants Lagerhaus gehen immer wieder Lärmklagen ein. Diese kommen vom direkten Nachbarn, der Polizei. Sie fühlt sich bei der Arbeit gestört. Die Betreiber wünschen sich eine bessere Bewilligungspraxis. news_image

Der Saal im oberen Stock des Restaurants Lagerhaus ist ein beliebter Ort für Hochzeitsfeste und Firmenanlässe. Oft wird bis in die Nacht hinein gefestet. Doch die Feiern werden gelegentlich von der Polizei unterbrochen – wegen Lärmklagen.

Die Polizei als einziger Nachbar
Mitinhaber Florian Reiser vermutet, dass die Polizei die Lärmklagen selbst einreicht. Denn rundherum gibt es kein einziges Wohnhaus, sondern nur Büros – und das Gebäude der Stadtpolizei auf der anderen Seite des Innenhofs. Ausserdem wollten sich die Polizisten jeweils nicht dazu äussern, wer geklagt habe.

Viele heiraten auf dem Land
Reiser kritisiert auch die Bewilligungspraxis für einen verlängerten Betrieb. «Wir können nur vier Verlängerungen pro Monat beantragen – und nur zweimal am gleichen Wochentag.» Er erhalte viele Anfragen von Hochzeitsgesellschaften oder Firmen, die er nur «unter dem Vorbehalt, dass sich niemand beschwert», annehmen könne. Und unter der Woche heirate fast niemand. «Viele feiern ihre Hochzeit auf dem Land, in Konstanz oder in Bregenz, weil sie dort länger Party machen können.»

Zu laut, um zu telefonieren
Die St. Galler Stadtpolizei müsse gelegentlich im Lagerhaus einschreiten, bestätigt Mediensprecher Benjamin Lütolf. Wie oft die Kantonspolizei aktiv werden musste, war gestern nicht zu erfahren. Während im ersten Stock des Polizeigebäudes – also direkt gegenüber dem Festsaal im Lagerhaus – Büros der Stadtpolizei sind, befinden sich im Erdgeschoss jene der Kantonspolizei. «Die Beamten beschweren sich erst, wenn die Musik zu laut ist.»

Der Grund für die Reklamationen sei in den meisten Fällen aber nicht, dass sie in den Bereitschaftsräumen wegen des Lärms nicht schlafen könnten. «An Wochenenden kommen die Polizisten meistens gar nicht dazu, weil so viel los ist. Es ist eine Seltenheit, wenn sie sich hinlegen können, um auszuruhen», sagt Lütolf. Vielmehr störe der Partylärm beim Arbeiten. «Selbst bei geschlossenen Fenstern ist der Lärm manchmal so gross, dass die Beamten kaum telefonieren können.» Bisher habe man die Angelegenheit aber jedesmal einvernehmlich klären können – «so wie es unter Nachbarn sein sollte».

Auf guten Willen angewiesen
Er sei wiederum auf den guten Willen der Polizei angewiesen, falls das Sommerfest, welches das «Lagerhaus» jährlich im Innenhof mit Livemusik organisiert, mal länger als bis 22 Uhr dauere, sagt Florian Reiser. Eine Bewilligung für das Fest könne er nicht beantragen. Und Verlängerungen gelten nur für Veranstaltungen im Innern.

Für das Sommerfest brauche es keine Bewilligung, erklärt Benjamin Lütolf. Es gälten die üblichen Betriebszeiten: Restaurationsbetrieb bis Mitternacht, aber nach 22 Uhr nur noch «leise Musik». Von der Polizei werde aber niemand das Fest stoppen, solange es «in einem vernünftigen Rahmen bleibt».

Man könne ein solches Fest im Freien nicht einfach um 22 Uhr beenden, sagt Florian Reiser. Er wünscht sich ein Bekenntnis, ja ein «politisches Statement» für eine lebendige Stadt, in der verschiedene Anlässe stattfinden können. «Sonst bleibt St. Gallen eine Schlafstadt.»

Quelle: Artikel im St. Galler Tagblatt vom 13. Mai 2014

Zurück zur Übersicht