Statement Nacht Gallen

Veröffentlicht am 19. Oktober 2020 DIE KULTUR UND DAS NACHTLEBEN BRAUCHEN JETZT HILFE – Die am Freitag kurz vor Türöffnung der Clubs und Bars einberufene Pressekonferenz hat bei Nacht Gallen und bei unseren Mitgliedern für ein riesen Chaos gesorgt und ist ein Schlag ins Gesicht aller Veranstalter*innen, Bars und Clubs. Insbesondere wie sie das getan hat. Um 16 Uhr ein Tanzverbot verkünden, ist so kurzfristig, dass Veranstalter*innen keine Möglichkeit hatten, adäquat zu reagieren. news_image

Nacht Gallen versteht das Handlungsbedarf besteht, aber diese einschneidenden Massnahmen erst ein paar wenige Stunden vor Öffnung der Clubs und Bars zu kommunizieren ist mehr als unglücklich und offenbart ein grosses Unverständnis gegenüber der Arbeit die die Clubs und Bars in den letzten Monaten geleistet haben. Notabene hat das Bundesamt für Statistik vor gerade vier Tagen vorgerechnet, welchen Wirtschaftsleistung die Kultur erbringt (noch ohne Clubs und Bars gerechnet). Einige Zahlen: Im Jahr 2018 umfasste der Kultursektor mehr als 63’000 Unternehmen, insgesamt 300’000 Kulturschaffende und erbrachte eine Wertschöpfung von 15 Milliarden Franken oder 2,1 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Jedes zehnte Schweizer Unternehmen gehört zum Kultursektor. Wenn man Banken und Fluggesellschaften rettet, muss man jetzt auch die Kultur vor dem Kollaps retten.

Tanzverbot

Ein Tanzverbot ist de facto ein Verbot sämtlicher Veranstaltungen. Keine Konzerte, keine Partys, keine Musik. Zwar ist dieser drastische Schritt angesichts der Infektionszahlen halbwegs nachzuvollziehen. Doch wer ein Tanzverbot ausspricht, muss den Kulturveranstaltern und Clubs auch Unterstützung zusichern. Clubs und Kulturlocations können faktisch unter diesem Umständen nicht mehr öffnen. Konzerte bleiben im Gegensatz zu Partys zwar möglich, doch werden unter diesen Bedingungen kaum Leute kommen, dass sich der Betrieb noch einigermassen lohnt. Für die Clubs sieht es noch schlimmer aus, das Tanzverbots kommt einem Berufsverbot gleich.

Drohende Schliessungen

Wir sind nun mittlerweile an einem Punkt angelangt, wo viele Betriebe mit den alten und neuen Massnahmen vor dem Aus stehen. Clubs schliessen bis Ende Jahr ist eine Option, aber dann brauchen sie Hilfe – sonst haben wir 2021 niemanden mehr, der Konzerte und Partys veranstaltet, weil alle Konkurs gegangen sind. Etliche werden wahrscheinlich die Mitarbeiter*innen entlassen müssen, Betriebe schliessen und erst wieder öffnen wenn die Übung vorbei ist oder gar nicht mehr. Hier muss der Kanton nun schnell und unbürokratisch Verantwortung übernehmen und neben den Konzertlocations auch für die Clubs und Bars Ausfallsentschädigung zulassen!

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Verschiedene Statements unserer Nacht Gallen Mitglieder:

Am Freitagnacht war im Kugl ein ausverkaufter Event mit einem grossen Act geplant, dieser war bereits angereist und BesucherInnen aus der ganzen Schweiz waren auf dem Weg nach St.Gallen. Erste Infos nach der Pressekonferenz um 16:00 Uhr von Seiten der Stadt war: die Verordnung gelte ab Samstagnacht. Nach Rückfrage können die Freitagsevents bis morgens um 5:00 Uhr (Gastrofreitag) noch wie gehabt stattfinden. Kurz vor 20:00 Uhr wurden wir dann informiert, dass nicht klar kommuniziert wurde zw. Kanton und Stadt und bereits um Mitternacht lichterlöschen angesagt sei. Corona hin oder her: solch eine Art von Entscheiden ist nicht nachvollziehbar. Veranstaltungen in Clubs sind in den Augen vieler Politiker*innen immer noch ein bisschen Spass haben und Tanzen zu irgendeinem DJ. Niemandem scheint bewusst zu sein was für ein riesiger Aufwand (personell und finanziell) hinter solchen professionell organisierten Events steckt.

Daniel Weder (Kugl)

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Für uns vom Partylabel Ostklang ist es mit den neuen Massnahmen nicht mehr möglich unsere Veranstaltungen durchzuführen. Das die kurzfristigen angeordneten Massnahmen vom Freitag direkt auf das Wochenende gelten gemacht wurden ist ein Skandal und hat für alle Clubs/Bars/Veranstalter etc. ein weiteres dickes Minus mit sich gebracht. Das Tanzverbot ist für uns ein definitives Berufsverbot. Dies Bedeutet für uns Totalausfall bis ende Jahr ohne Aussicht auf Entschädigung.

Als der Entscheid kam, haben wir von der Affekt-Bar direkt mit der Gewerbepolizei Kontakt aufgenommen. Uns wurde ebenfalls mittgeteilt, dass für Freitagabend/Nacht die Massnahmen noch nicht geltend sind. Wir haben Freinacht eingegeben und uns noch auf einen letzten Abend mit einigermassen Normal-Betrieb eingestellt und dementsprechend Organisiert und Kommuniziert. Um 20 Uhr dann der Besuch der Polizei bei uns in der Bar mit dem Bescheid, dass die Massnahmen um 24 Uhr umgesetzt werden müssen. Da wir keinen anderen umsetzbareren Weg gefunden haben mussten wir die Bar schliessen und alle Gäste bitten zu gehen. Samstag hatten wir bereits einen Umsatzeinbruch von über 80%. Wir müssen unser Konzept wie alle andere Bars auch irgendwie umgestalten und können nur hoffen das wir das überleben. Laufende Kosten bleiben bestehen, Einnahmen fallen zu einem hohen Teil weg. Anstatt mit 180 erlaubten Personen im Laden haben wir nun mit Bestuhlung eine maximale Auslastung von 60 Sitzplätzen. Wir haben mit Ostklang & Affekt Bar 30 Angestellte auf Stundenbasis von denen jetzt ca. 25 nicht mehr arbeiten dürfen.

Samuel Tanner (Affekt Bar & Ostklang)

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Dass nun bei Gruppen ab 30 Personen generell und bei Gruppen mit weniger Personen, wo kein Mindestabstand eingehalten werden kann, die Maskenpflicht auch auf die Gäste ausgeweitet wird, spricht die gleiche Sprache wie das Tanzverbot für Clubs. Es werden Massnahmen erlassen, die einen ökonomisch sinnvollen Betrieb verunmöglichen, aber gleichzeitig noch genug Raum lassen, um unseren Anspruch an Kurzarbeitsentschädigung nichtig zu machen.

Ich wollte heute den Rechtsdienst der GastroSuisse dazu befragen, leider arbeitet man dort aber nur Montag bis Donnerstag.

Ishi Sosa (August Bar)

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Die Politik trifft momentan willkürliche Entscheidungen welche die gesamte Gastronomie verunsichern und eine einschneidende Wirkung auf die Arbeit und vor allem die Planung in unserer Branche hat. 

Wir bieten den verantwortlichen Personen und den verantwortlichen Departementen eine Grundlage für Gespräche um Schutzkonzepte und Massnahmen,  welche zur Eindämmung der momentan steigenden Zahlen von covid-19 Infizierungen helfen sollen. Wir sind bereit und sehen uns in der Verantwortung Schutzkonzepte zu erstellen und diese auch einzuhalten. Wir erwarten von den verantwortlichen Personen und Departementen umgekehrt ein Entgegenkommen und eine Gesprächsbereitschaft um die momentane Situation gemeinsam zu analysieren und durchzustehen. Nur durch persönliche Gespräche und einen direkten Austausch beiderseits - Politik & Gastronomie - kann die jetzige Situation realistisch ausgewertet werden und weitere Schritte und Massnahmen beschlossen werden.

Die aktuelle Vorgehensweise des Gesundheitsdepartements basiert aus unserer Sicht auf Pragma- und Populismus, ohne Rücksichtnahme auf die lokalen Betriebe & Veranstalter*innen welche Leben in die Stadt bringen. Jenes Verhalten erzeugt eine Stimmung des Misstrauens unsererseits gegenüber der Regierung und auch untereinander. Wir fühlen uns missbraucht und hintergangen. Missbraucht für Anschuldigungen - welche über die Medien verbreitet werden - Übeltäter der aktuellen Situation zu sein und hintergangen, weil willkürliche Entscheidungen im Stundentakt ohne Konsultation bestimmt werden; welche nicht nachzuvollziehen sind. 

Wir wünschen uns einen Konsens und eine Gesprächsbereitschaft seitens Politik um auch unsere Standpunkte in dieser Situation zu erläutern und anzubringen. Nur gemeinsam können wir diese schwierige Zeit bewältigen und wir sind bereit mit allen nötigen Massnahmen den verantwortlichen Stellen Hilfe zu leisten und den Kanton, die Stadt und die verantwortlichen Departemente zu unterstützen.

Was wir nicht unterstützen ist ein Alleingang der Politik, welcher sich repressiv und schädigend auf unsere Branche auswirkt.

Sankt Gallen liegt uns allen am Herzen.

Terry Gähwiler (Beef Club)

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